Aus der Geschichte des Bürgervereins
Kliedbruch 1949
Der Bürgerverein Kliedbruch 1949
Der heutige Stadtteil Kliedbruch war noch bis in die 30er Jahre ein dünn besiedeltes Gebiet mit wenigen Häusern, wenigen befestigten Straßen und eben einer kleinen Zahl von Einwohnern; es gab keinen elektrischen Strom und keine Kanalisation. Ein derartiger Mangel an Zivilisation fördert andererseits das Zusammengehörigkeitsgefühl. Nachbarschaftshilfe und andere Gemeinsamkeiten waren ein fester Begriff für die "Kliedbrucher". Die schweren Zeiten von 1939 bis 1945 und insbesondere die Jahre nach 45 mit ihrem Mangel an fast allen lebensnotwendigen Bedürfnissen verstärkte das Für-einander-Einstehen.
Doch Not schließt Freude nicht gänzlich aus und man freut sich über Kleinigkeiten, über eine gelungene Arbeit, über eine zu einem guten Ende erledigte Aufgabe. Es bildete sich die Gruppe "das lustige Klied-bruch". Und sie war es wohl maßgeblich, die den Anstoß gab zur Gründung eines Bürgervereins. Hinzu kamen natürlich ganz realistische Probleme der damaligen Jahre wie Ausbau der Straßen, Anschluß an die Kanalisation, Beleuchtung von Straßen und Wegen, Sicherheit im Kliedbruch und vieles andere mehr. Man erkannte, daß nur durch den Zusammenschluß möglichst vieler Bürger wichtige und notwendige Maßnahmen jedwelcher Art gegen Stadt und Verwaltung mit dem nötigen Gewicht vertreten werden können.
Am 7. Januar 1949 trafen sich eine größere Anzahl von Bürgern zu einer Gründungsversammlung im Lokal Rommerskirchen an der Moerser Straße und wählte Herrn Wilhelm Sürder zum Vorsitzenden des vorläufigen Ausschußes. Von diesem wurde zu einer 1. Generalversammlung auf den 17. Februar 1949 wieder in das Lokal Rommerskirchen eingeladen. Fünfzig Bürger nahmen daran teil. Über den Ablauf dieser Versammlung informiert das nachstehend abgedruckte Protokoll.
TAGESORDNUNG:
1. Eröffnung der Versammlung mit kurzem Vortrag über Ziele und Zweck des Vereins
2. Wahl des Vorstandes, und zwar des Vorsitzenden, des Schriftführers, des Kassierers sowie deren Stellvertreter sowie von Beisitzern
3. Besprechung einer geselligen Zusammenkunft der Mitglieder und ihrer Angehörigen am Fastnachtsdienstag bei Rommerskirchen
4. Verschiedenes
zu Punkt 1):
Der Vorsitzende des in der Gründungsversammlung vom 7.1.1949 gewählten vorläufigen Ausschußes, Wilhelm Sürder, eröffnet die Versammlung, begrüßte die Erschienenen und erläuterte die Ziele und den Zweck des Vereins, Insbesondere gab er weitere Erläuterungen zu den in der Einladung genannten Punkten "Beleuchtung", "Verkehr", "Entwässerung", "Sicherheit". Bevor der Versammlungsleiter zu Punkt 2) der Tagesordnung überging, bat er die Erschienenen um ihre Entscheidung, ob sie dem Verein als Mitglieder beitreten wollen. Sämtliche Anwesenden zeichneten sich - soweit sie nicht bereits Mitglied waren - in die umlaufenden Mitgliederlisten ein.
zu Punkt 2):
Die Wahlen erfolgten, bis auf die der Beisitzer, geheim durch Stimmzettel. Die Vorschläge des vorbereitenden Ausschußes wurden aus der Versammlung heraus ergänzt.
Es wurden gewählt: zum Vorsitzenden Herr Wilhelm Sürder zum Stellvertreter Herr Wilms zum Schriftführer Herr Mertens zum Stellvertreter Herr Sonderland zum Kassierer Herr Kniebaum zum Stellvertreter Herr Kleinridders
Im Anschluß daran durch Zuruf einstimmig zu Beisitzern gewählt die Mitglieder
Paul Sürder, Jakob Cuylen, Josef Dömges, Frl. Grete Höffken, Karl Baumeister, Ludwig Röttges und Peter Ricken
Gegen die Ordnungsmäßigkeit der Wahlen wurden keine Einwendungen erhoben.
Sämtliche Gewählten nahmen die Wahl an, wofür ihnen durch den Vorsitzenden der Dank der Versammlung ausgesprochen wurde. Für den erkrankten Ludwig Röttges erklärte das Mitglied Paul Sürder, daß dieser ihm erklärt habe, daß er die Wahl annehmen werde.
zu Punkt 3):
Der Vorschlag, am Fastnachtsdienstag ein gemütliches Beisammensein im Mitgliederkreis zu veranstalten, fand einstimmige Zustimmung. Beginn 19 Uhr, Einlaß gegen Lösung einer Kappe, Blume oder dergleichen. Der Vorstand wurde beauftragt, Einzelheiten bezüglich der Durchführung, Musik, usw. zu regeln.
zu Punkt 4):
Das Mitglied Paul Sürder nahm das Wort zu einigen Ausführungen über bereits eingeleitete Bemühungen bei der Krefelder Verkehrs AG wegen der Wiedereinführung der Omnisbuslinie Parkhofplatz, Hohendyk, Verberg. Die Angelegenheit ist schwierig, aber nicht aussichtslos. Die Bemühungen müssen weiter fortgesetzt werden, um die noch bestehenden Hindernisse auszuräumen.
Da weitere Wortmeldungen nicht folgten, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit seinem Dank an die Anwesenden.
Unterschrift: Mertens
Der Vorstand machte sich auch sofort an die Arbeit und packte alle Problerne an, die auf eine Lösung warteten. Man tagte in verschiedenen Gaststätten des Bezirks: Moerser Eck, Jägerheim, Lokal Mölderings, Haus Schroten, Schwarzes Pferd, Rommerskirchen. Zu den ersten Problemen gehörten die Müllabfuhr, die Entschuldung, die mangelhafte Straßenbeleuchtung, Postzustellung, öffentliche Verkehrsmittel, Straßenbau und Straßeninstandsetzung, Verkehrsgefährdung, Schulbau.
Doch es gab auch die Förderung der Brauchtumspflege und hier insbesondere die Vorbereitung und Durchführung des Martinszuges. Die ersten Martinszüge waren sehr einfach; ohne reitenden St. Martin, ohne Musikkapelle mit Handwagen und Handharmonika.
Für die anstehenden Probleme war es ein großer Vorteil, daß Herr Paul Sürder, Sohn des Vorsitzenden Wilhelm Sürder, als Beisitzer zugleich Stadtverordneter war und die Antrags- und Genehmigungswege gut kannte und auf diese Weise viel Leerlauf abwenden konnte. Herr Paul Sürder hat sich durch seine Mitarbeit im Vorstand große Verdienste um das Kliedbruch erworben.
Die Vorstandsvorsitzenden des Bürgervereins Kliedbruch 1949
| Wilhelm Sürder | 1949 -1960 | | |
| Adolf Voss | 1960 -1976 | | |
| Dieter Pottkämper | 1976 -1978 | | |
| Werner Delbeck | 1978 -1982 | | |
| Heinz Butz | 1982 -1987 | | |
| Heinz Hauptmann | 1987 -1997 | | |
| Hans - Dieter Oelgart | 1997 - | | |
Text von Heinz Hauptmann